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Die wundersame Geschichte eines Vertrags

Er hat zwei Heimaten: Russland und Deutschland, Kasan und Gießen. Er hat zwei Elternhäuser, zwei Alma Mater: die Kasaner und die Gießener Universität.

Seine Geburt fiel in die Zeit kühner Experimente der 2. Hälfte der 80er Jahre, die aber nicht in Laboratorien durchgeführt wurden. Russland standen Versuche der von Gorbatschow initiierten Perestroika, und dem in zwei Staaten gespalteten Deutschland die Wiedervereinigung bevor. Am Vorabend der grandiosen Ereignisse besuchte 1984 eine Rektorendelegation aus fünf sowjetischen Hochschulen Deutschland, und während des Aufenthalts der großen Fünf in Gießen tauschten Karl Alewell, der damalige Präsident der Justus-Liebig-Universität Gießen, und Alexander Konovalov, der damalige Rektor der Kasaner Staatlichen Uljanow-Lenin-Universität den ersten freundlichen Händedruck. Die Idee einer Universitätspartnerschaft, auf die die Leiter beider Universitäten damals kamen, schien in der noch durch die Berliner Mauer geteilten Welt eine riskante und schwer realisierbare Mission zu sein. Und doch wurden die ersten vorsichtigen Schritte auf einander zu getan. Die drei Säulen, auf denen die neue Partnerschaft ruhte, waren Chemie, Biologie und Philologie.

Zum Katalysator der Partnerschaftsbeziehungen wurde die gemeinsame chemische Vergangenheit: der erste Kasaner, der die Universität Gießen entdeckt hat, war Nikolai Sinin: 1838-1840 arbeitete er im weltberühmten chemischen Labor Justus Liebigs, der beinahe die Hälfte aller Chemiker des damaligen Europa ausgebildet hatte. Deshalb kann man in der von N. Sinin gegründeten Kasaner Schule der organischen Chemie auch ein Gießener Gen finden.

An der Urquelle der Partnerschaft standen auch Philologen. 1986 begann der Briefwechsel zwischen dem Direktor des Instituts für Slawistik der Universität Gießen Prof. Dr. H. Jelitte und dem Leiter des Lehrstuhls für Russische Sprache und Sprachwissenschaft Professor G. Nikolaev. Sie wurden nicht nur Ko-Redakteure einer Ausgabe der bekannten europäischen Zeitschrift Beiträge zur Slawistik, deren Herausgeber H. Jelitte war, sondern auch Inspiratoren der Zusammenarbeit zweier Philologie-Schulen.

Als vielversprechend erwies sich die Partnerschaft auch für Naturwissenschaftler. 1986 kam in die Kasaner Universität der Professor des Zentrums für Kontinental-, Agrar- und wissenschaftliche Forschungen der Gießener Universität Joseph Breburda. Nach ausführlichen Gesprächen mit Wissenschaftlern der chemischen, biologischen und geographischen Fakultäten konnte der erfahrene und weise Gast die trotz aller Schwierigkeiten der damaligen Zeit vorhandenen Potenzen der Zusammenarbeit zwischen zwei Universitäten positiv einschätzen.

Und nun war es soweit! Am 16. Oktober 1989 kam das gemeinsame Kind zur Welt: der Vertrag über die Zusammenarbeit zwischen der Kasaner und der Gießener Universität. Seine lang erwartete Geburt wurde in der Aula der Kasaner Universität von den Rektoren beider Universitäten feierlich beglaubigt: Heinz Bauer und Alexander Konovalov unterzeichneten den Vertrag. Professor Joseph Breburda wurde Vertragsvater, und die Dekanin der chemischen Fakultät der KSU Prof. Dr. Galina Chmutova Vertragsmutter.

Die Kindheit des Vertrags war glücklich und fröhlich, es war die Zeit erster wissenschaftlicher Kontakte und rein menschlicher Zusammenkünfte und Gespräche in warmherziger Atmosphäre. Die ersten Kasaner Gäste in Gießen waren die Partnerschaftsbetreuerin Prof. Dr. G. Chmutova und Prof. Dr. G. Koposov vom Lehrstuhl für Bodenkunde (1990). Die Nachfolgen von J. Liebig und N. Sinin haben gemeinsame wissenschaftliche Interessen gefunden (Prof. Dr. H. Albrecht und Prof. Dr. J. Ipaktschi vom Gießener Institut für organische Chemie und die Kasaner Professoren A. Konovalov, I. Antipin, G. Chmutova, V. Kiselev, L. Karimova). 1991 erlebte die Kasaner Universität die historische Landung der Wissenschaftler aus Gießen (Prof. Dr. K. Heller, Prof. Dr. Hampel, Prof. Dr. Pöpborn, Prof. Dr.Göckenjan). Die Gießener wurden sehr gastfreundlich an der historischen Fakultät und an der Fakultät für tatarische Philologie, Geschichte und orientalische Sprachen empfangen (Prof. Dr. . Usmanov, Prof. Dr. . Galiullin, Prof. Dr. I. Ermolaev, Doz. I. Gilyazov u.a.). 1993 hat der Dozent R. arnopolski zusammen mit seinen Gießener Kollegen Prof. Dr. Steiger und Prof. Dr. Lange die juristische Fassung des Partnerschaftskodex für prioritäre Richtungen des internationalen und Zivilrechts ausgearbeitet.

1992, als der Vertrag 3 Jahre alt wurde, ist es den Kasaner und Gießener Erwachsenen gelungen, auch die Kinder Studenten und Doktoranden - in die gemeinsame wissenschaftliche Arbeit einzubeziehen. So hat der Vertrag einen Bruder bekommen: den Zusatzvertrag über den Studentenaustausch im Rahmen der Universitätspartnerschaft. Dieses Ereignis war der Anfang einer guten Tradition: jedes Jahr absolvierten 3 Kasaner Studierende ein Semesterstudium an der Universität Gießen, und jedes Jahr kam eine Gruppe Gießener Studierender für 4 bis 6 Wochen zum Russischkurs nach Kasan.

1994 feierte der Vertrag seinen 5. Geburtstag. Kein großes Datum, aber doch schon ein Jubiläum. Dieses Jahr war außerordentlich musikalisch: für die musikalische Umrahmung der Feierlichkeiten in Gießen sorgte das Kammerorchester der Kasaner Universität La Primavera unter der Leitung seines Gründers und Dirigenten Rustem Abyazov. Im Herbst des gleichen Jahres stattete das Gießener Universitätsorchester mit seiner Dirigentin Brigitte Schön der Kasaner Universität einen Gegenbesuch ab. Zwei Orchester spielten auf einer Bühne ein unvergessliches Konzert, welches die Gießener und die Kasaner einander noch näher brachte. Das deutsch-russische Symposium Deutsch-russische sprachliche, literarische und kulturelle Beziehungen im 20. Jahrhundert setzte den Gedanken an die Wichtigkeit der Aufrechterhaltung und Fortsetzung der Partnerschaftsbeziehungen in einer sich ständig wandelnden Welt fort. Die Gießener Wirtschaftswissenschaftler G. Jaehne und A. Bohnet machten sich an die Ausarbeitung langfristiger Business-Pläne für die nächsten 5 Jahre. Im Herbst 1993 wurde an der Kasaner Universität eine Reihe von Vorträgen von Wirtschafts- und Agrarwissenschaftlern und Ökologen der Gießener Universität gehalten, die den Fachleuten Tatarstans eine Orientierung in schwierigen Phasen der wirtschaftlichen Transformation bieten sollten. Nach einer kurzen sprachlichen Vorbereitung konnten 20 Teilnehmer dieser Kurse (Wissenschaftler und Praktiker) ein Jahr später die einmalige Gelegenheit nutzen und ein längeres Betriebspraktikum in Deutschland machen.

In seinen Schuljahren musste der Vertrag eine wichtige Probe bestehen: es ging um die Festigkeit der Partnerschaftsbeziehungen und die Bereitschaft zur gegenseitigen Hilfe bei der Lösung von aktuellen Fragen. Zur Aufgabe Nummer eins wurde damals die Vergleichbarkeit von Abschlüssen der Gießener und der Kasaner Universität. Da wurde von beiden Seiten eine große Arbeit geleistet: zwecks Vervollkommnung des Studienprozesses und der Annäherung der russischen und deutschen Hochschulen wurden Curricula studiert und überarbeitet. Dank dem DAAD-Programm Alexander Herzen konnten die Wirtschaftswissenschaftler beider Partneruniversitäten das Projekt Modernisierung des Studiengangs Management realisieren und den gemeinsam ausgearbeiteten Studiengang Verwaltungsmanagement an der Ökonomie-Fakultät einführen. 10 Vertreter der Ökonomie-Fakultät der Kasaner Universität drückten die Schulbank an der Universität Gießen: die im Projekt vorgesehenen Studienaufenthalte nutzten sie als eine Möglichkeit zur Weiterbildung (Prof. Dr. S. Mokichev, Dr. .Nikolaev, Dr. V. Savelyev, Dr. .Tumashev, Dr. G.Singatullina, Dr. G. Suldina, Dr. .Tsalikova, Dr. N. Evstafyev, Dr. .Fakhrutdinova, Dr. .Akhmadeeva).

Die Schulzeit des Vertrags erwies sich als sehr fruchtbar: in diesen Jahren wurde eine Rekordzahl an gemeinsamen wissenschaftlichen Veröffentlichungen registriert ist das nicht ein Nachweis für gute Leistungen der Partnerschaft?! Sehr aktiv waren in dieser Hinsicht nicht nur Philologen (L. Voronova, V. Konovalov, Y. Safiullin, . Zholobov, E. Balalykina, . Troshkina, F. Khaidarov, N. Maslova, H. Paul, G. Giesemann, J. Biedermann u.a.), sondern auch Chemiker (Prof. Dr. .Konovalov, Prof. Dr. I. Antipin, Prof. Dr. G. Chmutova, Prof. Dr. V. Kiselev, Prof. Dr. H. Albrecht, Prof. Dr. J. Ipaktschi) und Biochemiker (Dr. . Gimadutdinov, Prof. Dr. .Pingoud). Die durch mehrere wissenschaftliche Veröffentlichungen bestätigte Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Pflanzenphysiologie verlief im Rahmen des russisch-deutschen Projekts Entwicklung der Kälte- und Wasserresistenz bei verschiedenen Weizengenotypen. Außerdem wurden auch Pflanzenwuchsstoffe und deren Verwendung studiert und die Bodenmikrobiologie erforscht (Prof. Dr. L. Khokhlova, Prof. Dr. . Palich, Prof. Dr. K.-G. Neumann). Die Mikrobiologen studierten intensiv die molekularen Biosynthese -Regelungsmechanismen der mikroben Enzyme der Ribonukleasen (Prof. Dr. G. Hobom, Prof. Dr. F. Dreyer, Prof. Dr. I. Leshchinskaya, Dr. . Ilinskaya u.a.). Einen Quantensprung hat auch die Entwicklung der Physiker-Partnerschaft gemacht (Prof. Dr. G. Hermann, Prof. Dr. W. Krüger Dr. M. Hoffmann, Dr. B. Meyer (Gießen), Prof. Dr. . Gilmutdinov, Dr. K. Nagulin, Dr. S. Nikitin, Dr. N. Silkin (Kasan). 1998 haben die Kasaner und die Gießener Physiker eine Förderung der Europäischen Gemeinschaft (INTAS), und dann eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) bekommen.

1999 wurde der Vertrag 10 Jahre alt. Er war stolz darauf, nicht mehr klein zu sein. Die im großen Maßstab zuerst an der Kasaner und dann an der Gießener Universität stattgefundenen Feierlichkeiten bestätigten das hohe Niveau und die große Bedeutung der Partnerschaft und wurden zum Ausdruck der Freude und der Dankbarkeit für die erreichten Erfolge. Anlässlich dieses Datums wurde auch der Sammelband Vielfalt der Zusammenarbeit herausgegeben, welcher wissenschaftliche Beiträge und Artikel der Gießener und Kasaner Wissenschaftler beinhaltet und somit eine Art wissenschaftliche Biographie der 10 Jahre langen Partnerschaft darstellt. Die diesem Jubiläum gewidmete Photoausstellung 10 Jahre Zusammenarbeit veranschaulichte die Geschichte der Partnerschaft, indem sie ihre Höhepunkte und die wichtigsten handelnden Personen zeigte und somit das gemeinsame Bild der Partnerschaft präsentierte. Die Ausstellung wurde nicht nur in der Kasaner und in der Gießener Universität, sondern auch in der Universität Würzburg und der DAAD-Geschäftstelle Bonn-Bad Godesberg exponiert. Die Abschlusskonferenz der Kasaner und Gießener Philologen trug den Titel Deutsch-Russischer Dialog und widerspiegelte somit die Idee des Dialogs zweier Universitäten und zweier Kulturen. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD), der in all diesen Jahren den Partnerschaftsaustausch förderte, erklärte die Universitätspartnerschaft Gießen-Kasan für musterhaft und zukunftsträchtig.

Auch das Jahr 2000 war wichtig für den Vertrag: es markierte nicht nur den Übergang in das 21. Jahrhundert, sondern auch den Beginn der schwierigen und unruhigen Zeit seines Erwachsenwerdens. Einen spürbaren Impuls zum Übergang in eine Phase der Zusammenarbeit gab der Machtwechsel: 2004 wurden Prof. Dr. Olga Ilinskaya, Leiterin des Lehrstuhls für Mikrobiologie der Kasaner Universität, und Prof. Dr. Michael Schmitz, Leiter des Instituts für Agrarbusiness der Universität Gießen, neue Partnerschaftsbeauftragte. Neue Eltern des Vertrags haben zusammen mit den Auslandsämtern beider Universitäten den Plan des Neustarts der Partnerschaftsbeziehungen ausgearbeitet, dabei ging es in erster Linie um die Ausweitung des Teilnehmerkreises. Unter anderem wurde auch das Protokoll über den Studenten- und Wissenschaftleraustausch unterzeichnet, welches einige Änderungen im Vergleich zur früheren Vereinbarungen vorsieht. Es macht den Studentenaustausch flexibler, indem es nun den Studierenden nicht nur Semester-, sondern auch Monatsstipendien anbietet, die den Stipendiaten kurze Forschungspraktika unter der Leitung Gießener Professoren ermöglichen. Diese Praktika wurden durch die Spaltung eines von drei Semesterstipendien in sechs Monatsstipendien möglich und ließen den Teilnehmerkreis um englischsprachige Teilnehmer aus naturwissenschaftlichen Fakultäten erweitern. Seit 2005 fördert die Regierung der Republik Tatarstan die Deutschlerner der Fakultät für tatarische Philologie und Geschichte, indem sie ein Gruppenstipendium für die Teilnahme an internationalen Sommersprachkursen an der Universität Gießen vergibt. Das neue Protokoll sieht auch den Vorrang des wissenschaftlichen Nachwuchses im Austausch mit der Universität Gießen vor. Die Gießener Studierenden haben ihrerseits die Möglichkeit bekommen, neben dem Russischstudium auch ein Betriebs- oder wissenschaftliches Forschungspraktikum in Kasan zu absolvieren.

Aber nicht nur gemeinsame Forschungen, Veröffentlichungen, Sammelbände und wissenschaftliche Konferenzen allein sind es, die die Zusammenarbeit ausmachen. Dazu tragen auch freundliche Beisammensein und ungezwungene Gespräche im Freundeskreis bei, und davon lebt der von beiden Universitäten so behutsam gepflegte Geist der Partnerschaft. In seinen Teenager-Jahren erlebte der Vertrag eine ganze Reihe von großen und kleinen Ereignissen. Das Jahr 2004 war durch zwei wichtige Daten gekennzeichnet. Die Kasaner Universität feierte ihr 200. Gründungsjahr, und der Partnerschaftsvertrag zwischen der Kasaner und der Gießener Universität wurde 15 Jahre alt. 2005, als Kasan sein 1000jähriges Jubiläum feierte, versammelte sich im Juli zum ersten Mal in der 15ährigen Geschichte des Vertrags der Große Rat der Partnerschaft zum Arbeitsseminar Suche nach neuen Formen der Zusammenarbeit im Rahmen der Partnerschaftsverträge.

Vertreter verschiedener Fachrichtungen (Physiker, Biologen, Chemiker, Slawisten, Germanisten, Turkologen, Soziologen, Politologen) besprachen am Runden Tisch aktuelle Probleme der Partnerschaft und stellten Lösungen vor. Die Diskussionsbeiträge wurden von zusammenarbeitenden Wissenschaftlern in Paaren gehalten, so dass die Meinung beider Seiten zum Ausdruck kam: Prof. Dr. Scheid Prof. Dr. Gainutdinov, Prof. Dr. Dreier Prof. Dr. Ilinskaya, Prof. Dr. Hermann Prof. Dr. Gulmutdinov. Im Ergebnis der lebhaften Diskussionen, die auch nach Abschluss der Seminarsitzungen fortgesetzt wurden, wurde klar, dass die Zusammenarbeit genug Reserven für einen weiteren Aufstieg hat.

Das Seminar im Juli erwies sich als sehr produktiv und gab Impulse für eine Welle von großen Partnerschafsaktivitäten. Die Soziologen und Politologen beider Universitäten (Dr. . Westphal, Dr. . Langenohl, Dr. S. Erofeev, Dr. L. Ilikova, D. Khannanova) haben ein brillantes praxisbezogenes Experiment unter dem Titel Assoziierte Studentenseminare. Die Beziehungen zwischen Russland und der Europäischen Union: die soziologische und politologische Perspektive gemeinsam durchgeführt. Das Experiment verlief in zwei Etappen: 2005 an der Kasaner und 2006 an der Gießener Universität. Im Oktober 2006 vereinigten die Kasaner und die Gießener Chemiker und Physiker (Prof. Dr. G.Hermann, Prof. Dr. J. Ipaktschi, Prof. Dr. W. Scheid, Prof. Dr. R. Gainutdinov, Dr. .utygullina, Dr. W. Gorbachuk) ihre Kenntnisse und Erfahrungen und organisierten den 4th International Workshop on ZnO related Materials, an dem sich auch Studierende beteiligten.

Kaum zu überschätzen ist das Geschenk, das Prof. Dr. G. Herrmann, der Ehrendoktor der Kasaner Universität, seinen Kollegen in Kasan machte: er überreichte einen Teil der Geräte seines Lehrstuhls dem Lehrstuhl für Optik und Nanophothotonik der physikalischen Fakultät. Die Geräte mit dem Gesamtgewicht von 3 Tonnen wurden nach Kasan gebracht! Die von Professor Hermann geschenkten Geräte der Spektrometer und das Laser-Ablation-System bildeten die erste Gerätebasis an der physikalischen Fakultät, sie werden sowohl im studentischen Praktikum als auch für wissenschaftliche Forschungen auf dem Gebiet der Nanotechnologien genützt.

Die Jahre 2007 und 2008 brachten dem nun volljährig gewordenen Partnerschaftsvertrag weitere gemeinsame Projekte: das internationale Masterprogramm Transition Studies, das Bildungsprojekt Wasser und das Projekt Modernes Theater und Drama, welches eine Schule des Dialogs genannt werden kann.

Diese Projekte konnten nur in der Epoche des Erwachsenwerdens zustande kommen, denn das erreichte Niveau der gegenseitigen Achtung, des gegenseitigen Vertrauens und des Professionalismus gestatten es, immer kompliziertere Aufgaben mit größeren Teilnehmerzahlen zu lösen. Nun aber alles der Reihe nach.

Transition Studies: Grenzen überschreitend

Das Masterprogramm Transition Studies ist ein langfristig angelegtes entwicklungsfähiges Projekt. Dieser interdisziplinäre Studiengang wurde vom Fachbereich Agrar- und Ernährungswissenschaften gemeinsam mit vier weiteren Fakultäten der Universität Gießen ausgearbeitet. Von der russischen Seite wurden zur Teilnahme am Projekt Wissenschaftler von sechs Fakultäten der Kasaner Universität eingeladen: Juristen, Wirtschaftswissenschaftler, Biologen, Ökologen, Soziologen und Politologen, die gemeinsam mit ihren Gießener Kollegen Bildungsmodule für den neuen Studiengang ausarbeiteten.

Transition Studies boten eine seltene Gelegenheit, in den europäischen Bildungsprozess sowohl Studierende, als auch Lehrkräfte der Kasaner Universität einzubeziehen: Dozenten und Professoren arbeiteten Module aus, in die sich der Kurs gliedert, und die Studierenden machen als Kursteilnehmer mit.

Transition Studies sind für junge Leute gedacht, die gute Englischkenntnisse haben und ein Masterstudium in der Fachrichtung Transformationsökonomie absolvieren möchten. Damit die Studierenden möglichst tief die spezifischen Bedürfnisse der Übergangsländer begreifen, verläuft die Ausbildung in internationalen interdisziplinären Gruppen. Nach Abschluss des Studiums werden die Absolventen selbständig die sowohl in der Privat-, als auch in der Staatswirtschaft zu verwendenden integrativen Ansätze zu Fragen des Austauschs ausarbeiten können.

Das Projekt Transition Studies erwies sich als eine ernst zu nehmende Herausforderung für die Partnerschaftsbeziehungen. Bis dahin verlief das Bildungsleben beider Universitäten separat, Schnittpunkte gab es vor allem in Bereichen spezieller wissenschaftlicher Interessen (gemeinsame Forschungsprojekte, Studien- und Forschungsaufenthalte, Studenten- und Professorenaustausch). Hier aber stand eine auf einander abgestimmte Arbeit beider Partnerseiten zur Koordinierung von Bildungsmechanismen bevor, die zur Schaffung von Bedingungen für die akademische Mobilität künftiger Master notwendig ist, damit diese frei die für ihr Fach notwendigen Kurse sowohl in der Heimat-, als auch in der Gastuniversität wählen können.

Dank der Initiative Transition Studies ist es uns heute schon gelungen, manche von den Schranken zu überwinden, die noch vor kurzem früher unüberwindlich erschienen. Dieses Projekt nimmt einen besonderen Platz unter allen anderen ein, denn für uns wurde es zum zentralen Projekt in der Etappe des Erwachsenwerdens des Partnerschaftsvertrags. Die für die Zukunft eingeplanten Aktivitäten hängen von einer gut koordinierten Zusammenarbeit vieler Kasaner Projektteilnehmer ab. Viel Aufmerksamkeit widmen diesem Teil der Partnerschaftsarbeit der Rektor der Kasaner Universität Prof. Dr. Salakhov und die Dekane der beteiligten Fakultäten: Prof. Dr. I. Tarkhanov (juristische Fakultät), Prof. Dr. R. Sabirov (Fakultät für Biologie und Bodenkunde), Prof. Dr. G. Suldina (ökonomische Fakultät), Prof. Dr. Ermolaev (Fakultät für Geographie und Geologie) sowie die Partnerschaftsbeauftragte Prof. Dr. O. Ilinskaya.

Das Projekt Wasser: eine Bildung fürs Leben

Das Projekt Wasser: politische und soziale Aspekte vereinigte in sich die wichtigsten Prioritäten der Partnerschaft: die Internationalität, Interdisziplinarität und Zusammenarbeit der Studierenden und Dozenten in der Umsetzung des Projekts. Initiatoren und Leiter des Projekts waren Dr. K. Westphal (Institut für Politologie, Universität Gießen), Dr. . Donetskaya (Sprachen-Institut der Kasaner Universität), Dr. G. Pakelmann (Institut für Politologie, Universität Gießen), sowie der Lektor der Robert-Bosch-Stiftung R. Lenz und Dr. . Beloglazov (Fakultät für internationale Beziehungen der Kasaner Universität). Dank der erstklassigen Organisation konnten die Teilnehmer das Projekt realisieren, das auf die Herausbildung der interdisziplinären Denkweise, der Leader-Eigenschaften, in erster Linie aber eines globalen Verantwortungsbewußtseins bei Studierenden gerichtet war.

Die Aktualität und Vielseitigkeit des für den ersten Blick einfachen Themas läßt sich nicht bestreiten. Es geht hier nicht um die Ökologie allein, denn Wasser zählt zu den wichtigsten Faktoren, die eine destabilisierende Rolle in der Friedenssicherung spielen können: nach Bewertungen der Wissenschaftler der Universität Oregon (USA) hat Wasser in den letzten 50 Jahren für 1831 Konflikte gesorgt.

Zum Höhepunkt des Projekts wurde das Anfang 2007 durchgeführte gemeinsame Symposium. Die Teilnehmer hielten Vorträge und führten lebhafte Diskussionen. Im ersten Teil des Symposiums wurden der Einfluß des Wassers auf das Klima, die Überschwemmungen, Wassersparmaßnahmen unter städtischen Bedingungen, das Mineralwasser, die Wasserversorgung im Land Hessen u.a. erörtert, der 2. Teil wurde den wichtigsten soziologischen, politologischen und internationalen Aspekten gewidmet. Unter anderem wurden auch die vom Mangel an Wasserressourcen verursachten äußeren Konflikte behandelt. Das Symposium wurde durch Exkursionen ergänzt, so dass die Teilnehmer eine Wasserfassungsanlage, einen Wasserkurort und eine Brauerei besichtigen konnten.

Modernes Drama und Theater eine Dialogschule

Das Projekt Modernes Drama und Theater oder Theaterseptember kann mit vollem Recht ein Beispiel der Zusammenarbeit eines vollkommen neuen Typs genannt werden.

Einerseits ließ er die Teilnehmer über die Rahmen ihrer engen Spezialisierung hinaustreten und Philologen, Dramatiker, Kritiker und Bühnenschaffende, aber auch Studierende, Schul- und Hochschullehrer mit einander zu führen, andererseits brachte das kolossale Kooperationspotenzial zweier Universitäten an den Tag.

Seine Realisierung ist dem gut koordinierten Zusammenwirken der philologischen Fakultät der Kasaner Universität, des Instituts für Slawistik und des Institut für Germanistik der Universität Gießen und nicht zuletzt dem Talent der Kasaner Dozentin Dr. Elena Shevchenko und des Gießeners Dr. Johann Biedermann zu verdanken.

Gleich einer Theateraufführung gliederte sich die Realisierung des Projekts in zwei Akte, die auf zwei Bühnen in zwei Orten in Kasan und in Gießen gespielt wurden. Als Bühnenbilder wurden nicht nur akademische Säle der alten Partneruniversitäten, sondern auch Theater, schöpferische Werkstätten und Museen gewählt.

Im September 2007 fanden die von der Philologie-Fakultät der Kasaner Universität und dem Institut für Slawistik der Universität Gießen vorbereiteten Veranstaltungen statt, die den 1. Teil des Projekts bildeten und den Fragen der modernen Dramaturgie und des Theaters gewidmet waren. Gleich den Szenen in einer wundervollen Feerie wechselten die Veranstaltungen dieser Theaterwoche einander ab: die internationale Konferenz Russisches Gegenwartsdrama, der Workshop Schule des russischen Gegenwartsdramas, das Theaterstück Cartas de amor a Stalin" (Liebesbriefe an Stalin), aufgeführt vom spanischen Studententheater Aula 02 (Gießen), das Studentenseminar zu Fragen der Übersetzung von Schauspieltexten, Besuch des Kasaner Katschalow-Schauspielhauses und die darauffolgende Diskussion über das erlebte Theaterstück Wischnewyj Sad, Seminare und Rundtischgespräche zu Fragen der vaterländischen Dramaturgie und der modernen Interpretation der Klassik, zu Besonderheiten der Auffassung des russischen Dramas im Ausland, zum Schaffen bekannter Dramatiker M. Ugarov, V. Levanov, V. Sigarev, der Brüder Presnyakov u.a. Außerdem wurden auch Zusammenkünfte mit Dramatikern aus Ekaterinburg und Togliyatti (N. Kolyda, O. Bogaev, V. Levanov), Regisseuren der Kasaner Theater, Philologen und Theaterwissenschaftlern aus Samara, Moskau, Sankt-Petersburg und anderen russischen Städten, aber auch aus Deutschland und aus Polen organisiert.

Im September 2008, also ein Jahr später, fand in Gießen der Theaterseptember 2 statt. Der Organisator des Projekts Dr. Biedermann und sein Team wollten die beiden wichtigen Aspekte - Wissenschaft und Lehre berücksichtigen und im Rahmen des Projekts die Interessen der Lehrenden und die der Studierenden zu verbinden. Außerdem wollte man den Projektteilnehmern die Vielfalt des deutschen theatralischen Lebens zeigen. Und das ist ihnen gelungen. Das Programm war sehr interessant gestaltet: die internationale Konferenz zum Thema Kultur des Feierns: Russische Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts (organisiert von Prof. Dr. A. Graf), Weiterbildungsschule für Russischlehrer deutscher Schulen und Gymnasien, Veranstaltungen der 7. internationalen Tage des deutschsprachigen Jugend- und Studententheaters Hände hoch! 2008, Besuch des deutschen Theaters in Gießen und Darmstadt. Mit großer Begeisterung reagierten die Gäste auch auf das von der Theatertruppe 4 Firs auf Gießen aufgeführte Stück Tod des Firs von V. Levanov.

Im Zuge der Realisierung dieses großangelegten Projekts zeigten sowohl die Gießener, als auch die Kasaner ein hohes Niveau der Organisation so anspruchsvoller Veranstaltungen, eine glänzende Programmgestaltung, sowie Professionalismus, Talent und Gastfreundlichkeit und die Kunst, einen Dialog zu führen - einen Dialog zwischen Menschen, Berufen, Ideen. Einen Dialog der Kulturen, was besonders wichtig ist.

Der Zusammenarbeit zwischen der Kasaner und der Gießener Universität steht noch viel bevor: sie hat ein ganzes Leben vor sich. Und wir dürfen sicher sein, dass dieses Leben voll von neuen Taten sein wird.

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( 06.07.2010)  >>

- , - (29.06.2010)  >>

, (30.06.2010)  >>

TOEFL iBT ( 28.06.2010)  >>

'China: A World Superpower - Myth or Reality?' , ( 04.06.2010)  >>

' ( )' 7- ( 11.06.2010)  >>



           


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